ContentMix | Wissenschaft | Die Arten von Toleranz

Die Arten von Toleranz

Toleranz ist nicht einfach zu verstehen und noch schwieriger ist es, sie tatsächlich zu leben. Das Wörterbuch spricht bei dem Wort Toleranz auch von Duldsamkeit. Diese Duldsamkeit bezieht sich dabei meistens auf eine größere Volksgruppe oder religiöse Mehrheit in einem Staat oder Landstrich, die eine Minderheit mit anderem nationalen Hintergrund oder religiösen Anschauungen zulässt. Die Größe oder Weite der Toleranz kann dabei aber ziemlich verschieden stark entwickelt sein. Dabei unterscheidet man folgende Arten:


Die Stufentoleranz
Die Kultur; Weltanschauung, Nationalität oder Religion der Mehrheit wird dabei auf die oberste Stufe gestellt. Alle anderen Gruppierungen besitzen ihre Existenzberechtigung daher nur so lange, wie sie diese scheinbare Überlegenheit der Mehrheit anerkennen. In einer Art Gnadenerlass gesteht ihnen die Mehrheit zu, die Wahrheit missverstanden und falsch interpretiert zu haben. Im Regelfall können Mitglieder der Minderheit aber keine höheren Posten bekleiden, da jene nur Mitgliedern der Mehrheit vorbehalten sind.

Die Toleranz der Gleichsetzung
„Möge jeder nach seiner persönlichen Anschauung glücklich werden.“ So lässt sich die Toleranz der Gleichsetzung vielleicht am treffendsten beschreiben. Einerseits herrscht zwar keine Unterdrückung vor, andererseits werden aber auch keine starken Bemühungen unternommen, den anderen in seiner Andersartigkeit bezüglich Kultur, Religion und Nationalität zu verstehen. Seit der Zeit der Aufklärung herrscht diese Art der Toleranz in vielen Ländern, besonders jenen der westlichen Hemisphäre, vor.

Die Toleranz der positiven Erkenntnis
Diese Art der Toleranz könnte man auch die Toleranz der Mystiker nennen, da sie die Wahrheit in allen Dingen zu erkennen versucht. Der Meditationslehrer und Yogi Sri Chinmoy spricht diesbezüglich von einem „Einssein“, was alle Menschen und die gesamte Schöpfung verbindet. Diese Toleranzart geht von der Theorie aus, dass Gott die verschiedenen Formen und Wege bei weitem übersteigt. Daher ist es unwichtig auf welche Art und Weise Er verehrt wird. Die Religionen sind deshalb nicht gleichwertig, weil sie ohnehin nicht zu beweisen sind, wie es die Aufklärung meint, sondern weil einer jeden von ihr eine besondere Bedeutung zukommt. Man könnte auch sagen, dass jede Religion auf etwas Wesentliches hinweist, was die Religion selbst bei weitem übersteigt. Diese Art der Toleranz wird auch die „Toleranz der Frömmigkeit“ genannt. Ihr geht es um die eine Gottes-Erkenntnis, die weit über die einzelnen Dogmen und Kulte hinausgeht. Sie nimmt an allen Glaubensformen Anteil, anstatt sie alle gleichermaßen in Frage zu stellen.

Toleranz ist also, wie man leicht erkennen kann, etwas, was sehr viele verschiedene Formen annehmen kann. Jedoch sollte die Toleranz der positiven Erkenntnis das angestrebte Ideal darstellen. Denn weshalb sollte sich der Mensch die Freude nehmen, die Schönheit und Anmut des bunten Kaleidoskops der verschiedenen Glaubensrichtungen zu betrachten? Sind sie nicht alle ein Weg den Einen zu finden und somit auch eine wichtige Inspiration für die eigene Gott-Suche?


Der Autor, Kai Keller, folgt seit etwa 15 Jahren dem Integralen Yogaweg des Meditationslehrers Sri Chinmoy. Geboren in der „Rennstadt“ Hockenheim und wohnend in Heidelberg, ist er dort Mitarbeiter im vegetarischen Restaurant „Effulgence-Waves“. Zu seinen Interessensgebieten zählen, außer dem modernen Yoga, der Laufsport und die deutsche Dichtung, vor allem Hölderlin, Goethe und Droste-Hülshoff.

Kai Keller

Wenn Sie diesen Artikel verlinken möchten, bitte folgenden Code dafür verwenden:

 
Die beliebtesten Artikel

Die 50 meistgelesenen Artikel