Das Asperger-Syndrom – eine tiefgreifende Entwicklungsstörung
Das Asperger Syndrom (AS) ist benannt nach dem Österreicher Hans Asperger (1906-1980), der als Kinderarzt 1944 eine Beschreibung einer „autistischen Persönlichkeitsstörung“ veröffentlichte. Da diese Veröffentlichung in Deutsch verfasst war, blieb sie zunächst fast unbekannt. Erst durch die Weiterführung Aspergers Forschungen durch die englische Psychologin Lorna Wing erlangte das AS Bekanntheit in internationalen Fachkreisen.
Das AS bezeichnet die schwächer ausgeprägten Symptome des Autismus. Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die bereits im frühen Kindesalter bemerkbar ist. Als Autismus wird eine angeborene und unheilbare Wahrnehmungs-und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns beschrieben.
Kernpunkte der Behinderung sind Kommunikationsschwierigkeiten mit anderen Menschen oder stereotype/ritualisierende Verhaltensweisen. Autistische Menschen verarbeiten Sinneseindrücke verschieden und nehmen Intelligenz verschieden wahr.
Asperger nannte die untersuchten Kinder „kleine Professoren“. Und so zeigt sich auch das Verhaltensbild: Probleme, Freundschaften zu schließen, Störungen in Blickkontakt, Gestik, Mimik und Sprachgebrauch, motorische Störungen, intensive Beschäftigung mit einem Interessengebiet, dort oftmals ein erstaunliches Wissen und gutes Sprachvermögen. „Auffällig“ werden diese Kinder durch sozial ungeschicktes Auftreten, monotone Sprachmelodie, Schwierigkeiten bei spontaner verbaler Kommunikation sowie durch eine Diskrepanz zwischen Intelligenz und Gefühlsleben.
AS-Kinder beschäftigen sich mit ihren Interessengebieten sehr intensiv und hartnäckig. Ihnen werden hervorragende Eigenschaften wie Genauigkeit, Perfektion, großer Gerechtigkeitssinn, logisches Denken, absolute Wahrheitsliebe, bestätigt. In ihrem späteren Berufsleben sind sie gewissenhaft und oft gute Wissenschaftler, Erfinder oder Künstler.
In der sozialen Kontaktfähigkeit sind AS-Kinder behindert. Sie nehmen die Gefühle anderer schlecht wahr, ecken überall an, ihr Verhalten wird als Nicht-Wollen, überheblich oder bösartig interpretiert. Sie wirken fremd und werden somit schnell ausgegrenzt. Da sie das jedoch wieder selbst reflektieren, können sie depressiv oder aggressiv werden oder sich völlig zurückziehen.
Die Behinderung beim AS ist nicht direkt sichtbar, für den betroffenen jedoch oft sehr tiefgreifend. Sie empfinden sich als „Außerirdische“ oder „im falschen Film“, wissen selbst nicht, warum sie so sind.
Erwachsene Betroffene haben gerade auf Grund ihrer Fähigkeiten Probleme: sie werden als seltsam umständlich, unfreundlich, egoistisch, undankbar, faul oder lustlos eingestuft und gelten als „gestört“ oder “verrrückt“. Asperger-Betroffene brauchen besondere Hilfe und besonderes Verständnis. Dazu ist es zuerst erforderlich, die Krankheit zunächst selbst zu verstehen.
Axel Müller
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