Max Schmeling – und manchmal kehren sie doch zurück
They never come back – sie kehren niemals zurück. So heißt eine berühmte Regel im Boxen, die sich auf zurückgetretene oder ehemalige Champions bezieht. Manchmal jedoch gibt es Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen war Max Schmeling, der mit 42 Jahren, nach über acht Jahren Boxpause, zurück in den Ring stieg, um gegen einen 16 Jahre Jüngeren zu kämpfen.
Das Alter liegt im Verstand
„Das Alter liegt im Verstand“, sagt der Yogi und Freund des Sports Sri Chinmoy. Deshalb war es gar nicht so abwegig, als die Boxlegende Max Schmeling 1946 zu seinem ehemaligen Trainer sagte: „Machon, halt mich nicht für verrückt! Ich will wieder boxen!“ Machon sah dies aber verständlicherweise anders und blickte Schmeling entgeistert an, bevor er zu lachen anfing und an einen Scherz glaubte. Als er die Ernsthaftigkeit in Schmelings Augen sah, meinte er: „Max, über acht Jahre warst du nicht mehr im Ring, und jünger bist du auch nicht geworden. Zerstöre nicht deinen guten Namen.“ Aber Max Schmelings Entschluss stand bereits felsenfest.
Sein Training und die Kritiker
Von nun an schindete sich Schmeling ein Jahr lang unter der Regie seines Trainers Machons. Sie hatten einen Kompromiss geschlossen. Schmeling würde nur dann boxen, wenn Machon sein Einverständnis dazu gibt. Schließlich, nach langem. hartem und entbehrungsreichem Training war es soweit. Als erster Gegner war der 16 Jahre jüngere Werner Vollmer, ein ehrgeiziger, starker Boxer aus Magdeburg ausgesucht worden. Das Comeback war für den 28.September 1947 anberaumt, an Schmelings 42.Geburtstag. Die Kritiker ließen im Vorfeld kaum ein gutes Haar an Schmeling und seiner ungewöhnlichen Entscheidung, noch einmal in den Ring zu steigen. Der härteste Kritiker war dabei die damalige deutsche Boxkoryphäe Alfred Eggert. Dieser erwartete nicht weniger wie ein Debakel, eine völlige Blamage Schmelings. Doch er hatte sich geirrt. Sowohl Eggert wie auch die 40.000 Zuschauer im Frankfurter Waldstadion wurden Zeugen einer Boxdemonstration Max Schmelings. Dabei schlug er Vollmer siebenmal zu Boden und in der siebten Runden, mit seiner berühmten Rechten, k.o.
Das danach
Die stehenden Ovationen des Publikums wollten kein Ende nehmen. Die harte Vorbereitung Schmelings hatte sich ausgezahlt. Selbst sein größter Kritiker, Alfred Eggert, musste zugeben; „Man weiß jetzt: Max hat noch Ausdauer, hat sein scharfes Auge wie einst, schnelle, flüssige Beinarbeit. Verbessert hat er vor allem seine Linke, die als Jab ständig ins Ziel kommt. Die Rechte war vollkommen wie einst.“ Man muss kein Boxfachmann sein um zu begreifen, dass Eggert ihn mit diesen Worten geadelt hatte. Noch viermal stieg Schmeling in den Ring, um dann mit 43 Jahren seinen endgültigen Rücktritt zu erklären. Das Boxen hatte ihm menschlich und finanziell, dank seines Glaubens an seine Fähigkeiten und seinem Trainingsfleiß, eine Startmöglichkeit in eine neue Existenz verschafft. Dem Sport blieb er ein Leben lang treu. Er starb am 2.Februar 2005 im biblischen Alter von 99 Jahren. Doch immer werden sein Mut und seine Entschlossenheit in Erinnerung bleiben, so wie er es selbst einmal in seinem bekannten Schlager besungen hatte: „Das Herz eines Boxers.“
Der Autor, Kai Keller, folgt seit etwa 15 Jahren dem Integralen Yogaweg des Meditationslehrers Sri Chinmoy. Geboren in der „Rennstadt“ Hockenheim und wohnend in Heidelberg. Zu seinen Interessensgebieten zählen der modernen Yoga und der Laufsport.
Kai Keller
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