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Ein Zehnkampf, der in die deutsche Sportgeschichte einging: Tokio 1964

Es waren die Spiele der XVIII. Sommerolympiade, die vom 10. bis 24. Oktober 1964 in der japanischen Hauptstadt Tokio ausgetragen wurden. Zum ersten Mal fanden die Spiele in Asien statt und zum letzten Mal startete, bis zur Wiedervereinigung, eine gesamtdeutsche Mannschaft. Tokio setzte in seiner Größendimension neue Maßstäbe. Da Siege und der Fortschritt ein Teil des olympischen Geistes sind, wie es der Meditationslehrer und Freund des Sports Sri Chinmoy einmal poetisch formulierte, waren die Spiele selbst ein Sinnbild der olympischen Idee des „schneller, höher, weiter“.


Der Zehnkampf
Diesen olympischen Wettbewerb hatte bis dahin noch nie ein Deutscher und seit 1932 in Los Angeles immer ein Amerikaner gewonnen. Die deutschen Zehnkämpfer zählten daher nicht unbedingt zu den großen Favoriten. Willi Holdorf war einer von ihnen. Eher robust gebaut und ein Sprintertyp erzielte er in der Anfangsdisziplin, den 100-Metern, mit 10,7 Sekunden auch die beste Zeit. Diese Sprintfähigkeiten kamen Holdorf auch im Weitsprung zugute, wo er mit genau sieben Metern die sechstbeste Weite erzielte. In der dritten Disziplin dieses ersten Wettkampftages, dem Kugelstoßen, schlug sich Holdorf mit 14,95 Metern recht passabel. Im nachfolgenden Hochsprung war er, bei schwierigen und nasskalten Bedingungen trotz starker Konkurrenz, mit 1,84 Metern sogar einer der besten. Die letzte Disziplin des ersten Wettkampftages, die 400 Meter, wurden sogar zur Demonstration der Stärke von Willi Holdorf, der den Sieg in überragenden 48,2 Sekunden davontrug.

Der zweite Wettkampftag
Nach dem ersten Tag ergab sich für die deutschen Zehnkämpfer eine hervorragende Zwischenbilanz: Willi Holdorf führte mit 4090 Punkten vor seinem Landsmann Hans-Joachim Walde, der mit 4074 Punkten nur hauchdünn hinter ihm lag. In der Nacht hatte es wie aus Kübeln gegossen und die Sportler erwartete am frühen Morgen ein nassgrauer Oktobertag. Die erste Disziplin des Tages, die 110-Meter-Hürden, verlief daher für alle Beteiligten etwas unzufrieden stellend. Aber beim nachfolgenden Diskuswurf gelang Holdorf mit 45,05 Metern bereits im ersten Versuch der weiteste Versuch der gesamten Konkurrenz. Dadurch konnte er seinen Vorsprung weiter ausbauen. In der achten Disziplin, dem Stabhochsprung, änderte sich in der Rangliste nicht viel. Erst die vorletzte Disziplin, der Speerwurf, machte alles noch einmal sehr spannend und nervenaufreibend. Hier warf der Este Rein Aun das Sportgerät, obwohl eigentlich als eher durchschnittlicher Werfer bekannt, mit 59,06 Metern recht weit und verkürzte dadurch seinen Rückstand auf Holdorf auf 127 Punkte, da jener nur 57,37 weit gekommen war.

Die letzte Disziplin: die 1500 Meter
Rein Aun war im Vergleich zu Willi Holdorf der eindeutig bessere Läufer. Letzterer war bis dato maximal 4:40 Minuten über diese Distanz gelaufen, durfte aber nun mit nicht mehr als 18 Sekunden Rückstand auf Aun ins Ziel kommen. Das Rennen begann. Ziemlich schnell hatte der Este einen Vorsprung von 80 Metern heraus gearbeitet. Doch Holdorf lief das Rennen seines Lebens. Aun kam in 4.22,3 Minuten ins Ziel. Die Sekunden vergingen. Mit letzter Kraft legte Holdorf einen Schluss-Spurt hin. Die Uhr blieb bei 4.34,3 Minuten stehen. Das bedeutete den Olympia-Sieg. Im Zielbereich musste er von seinen Konkurrenten Rein Aun und seinem Landsmann Horst Beyer gestützt werden, so erschöpft war er. Erschöpft aber glücklich. Abgerundet wurde das Bild vom hervorragenden dritten Platz Hans-Joachim Waldes, der dem Amerikaner Paul Hermann noch knapp die Bronzemedaille abgerungen hatte.


Der Autor, Kai Keller, folgt seit etwa 15 Jahren dem Integralen Yogaweg des Meditationslehrers Sri Chinmoy. Geboren in der „Rennstadt“ Hockenheim und wohnend in Heidelberg, ist er dort Mitarbeiter im vegetarischen Restaurant „Effulgence-Waves“. Zu seinen Interessensgebieten zählen, außer dem modernen Yoga, der Laufsport und die deutsche Dichtung, vor allem Hölderlin, Goethe und Droste-Hülshoff.

Kai Keller

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