Boris Becker: Wimbledon war sein Wohnzimmer
Wohl kaum ein Sportler hat die Einstellung einer ganzen Nation zu einer Sportart so beeinflusst, wie Boris Becker aus Leimen nahe Heidelberg es mit dem Tennis getan hat.
War der Tennissport zuvor eher eine etwas elitäre Randerscheinung gewesen, schossen nach seinen vielen Erfolgen die Tennissportanlagen wie „Pilze aus dem Boden“ – der berühmte Becker-Boom. Sein Name ist dabei untrennbar mit dem bedeutendsten Tennisturnier der Welt, Wimbledon, verbunden. Bereits legendär ist dort sein erster Sieg 1985 als erst 17-jähriger. Viele weitere Sternstunden ließ er hier folgen. Wimbledon wurde deshalb für ihn, wie er selbst zu sagen pflegte, sein „Wohnzimmer“.
Der erste Wimbledon-Sieg
Mit 16 Jahren musste er noch nach einer Verletzung, bei seinem ersten Auftreten in Wimbledon, vom Platz getragen werden. „Ich komme wieder“, versprach er damals. Er hielt sein Wort. Das kommende Jahr wurde zu einem der bedeutendsten in der deutschen Sportgeschichte. Als dreimaliger deutscher Juniorenmeister und Gewinner des Einladungsturniers von Wimbledon einen Monat zuvor, galt er durchaus als ernst zu nehmender, aufstrebender junger Tennisspieler. Jedoch an einen großen Erfolg dachte zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Dafür schien auch die Konkurrenz viel zu stark. Aber es kam anders. Nachdem Boris Becker bereits in den ersten Runden des Turniers sehr gutes Tennis geboten hatte, steigerte er sich von Spiel zu Spiel mehr. Bis er schließlich, was eine absolute sportliche Sensation darstellte, im Finale von Wimbledon stand.
Sein Gegner hieß dabei Kevin Curren aus Südafrika, der in diesem Endspiel haushoher Favorit war. Doch das Unglaubliche geschah. Boris Becker gewann in vier Sätzen, wobei er den Matchball mit einem seiner fulminanten Aufschläge verwandelte. Dadurch brach er gleich drei Rekorde: Er war der erste deutsche Spieler, der jüngste Spieler, sowie der erste ungesetzte Spieler der dieses wichtigste Tennisturnier, das Turnier von Wimbledon, gewonnen hatte.
Boris Beckers weitere Karriere
Insgesamt siebenmal stand Boris Becker im Endspiel von Wimbledon, wovon er drei für sich entscheiden konnte. Von insgesamt 79 Spielen, die er dort bestritt, siegte er in 68. Zudem gewann er die US-Open einmal, sowie die Australian-Open zweimal, wo er 1996 auch sein letztes Gand-Slam-Turnier gewinnen konnte. Darüber hinaus triumphierte Becker bei zwei Weltmeisterschaften, sowie bei Olympia 1992 im Doppel mit Michael Stich und führte die deutsche Davis-Cup Mannschaft zu ungeahnten Erfolgen. Auch die Nummer-Eins-Position in der Weltrangliste konnte er für kurze Zeit erreichen. „Ein großer Champion hört auf, wenn es an der Zeit ist“, sagt der spirituelle Lehrer und Freund des Tennissports Sri Chinmoy. So beendete auch Boris Becker seine Karriere rechtzeitig, als er noch unweit seines sportlichen Zenithes stand. Doch immer werden seine krachenden Aufschläge. seine Hechtrollen am Netz und die berühmte „Becker-Faust“ nach spektakulären Punktgewinnen in Erinnerung bleiben. An guten Tagen gab es niemand, der ihn hätte schlagen können.
Der Autor, Kai Keller, folgt seit etwa 15 Jahren dem Integralen Yogaweg des Meditationslehrers Sri Chinmoy. Geboren in der „Rennstadt“ Hockenheim und wohnend in Heidelberg, ist er dort Mitarbeiter im vegetarischen Restaurant „Effulgence-Waves“. Zu seinen Interessensgebieten zählen, außer dem modernen Yoga, der Laufsport und die deutsche Dichtung, vor allem Hölderlin, Goethe und Droste-Hülshoff.
Kai Keller
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