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Reisekoffer

Im Prinzip ist der Reisekoffer zu beneiden. Heute ist der Reisekoffer der praktische Begleiter für die schönsten Tage im Jahr. Er nimmt ein paar Dinge auf – vor allem Kleidung – und kommt im Gegenzug an entlegene Orte und schöne Flecken überall auf der Welt. Garantiert nicht er schlechteste Job!


Doch bevor es ins Abenteuer geht, müssen Reisekoffer noch einiges über sich ergehen lassen. Stapel von Kleidung, schwere Tuben, sperrige Gegenstände – das alles müssen sie irgendwie „schlucken“. Weil die Besitzer des Reisekoffer dazu neigen, mehr als nötig einzupacken, kann es schon mal zu Atemnot kommen: Da wird gequetscht und gepresst, am Reißverschluss gezerrt und sich auf den Deckel gesetzt – Hauptsache der Reisekoffer geht irgendwie zu!

Was der Koffer von Anfang an wusste, muss sein Besitzer dann schließlich auch einsehen: Ein paar Dinge müssen zu Hause bleiben. Als wäre das nicht genug, kommt dann oft auch noch ein straffer Gurt drum herum, der ein aufspringen des – ohnehin an Platzmangel leidenden Koffers – verhindern soll.

Ist dann schließlich alles Lebensnotwendige für die Reise verstaut, so beginnt für den Reisekoffer ein – nicht immer ganz angenehmes – Abenteuer: Rauf auf die Waage und ab zu den Anderen Reisekoffern. Einzige Voraussetzung: Der Koffer hat kein Übergewicht. Sonst geht die Prozedur von Vorn los, oder aber es wird richtig teuer. Bevor die Reise auf dem Fließband zu den anderen Gepäckstücken beginnt, bringen die Fluggesellschaften einen Anhänger mit einer speziellen Codierung und weitern Aufschriften an. Hat der Besitzer gefährliche Gegenstände eingepackt, so wird es für den Reisekoffer wiederum eng: Denn er muss sich einer starken Röntgenstrahlung unterziehen, so dass sämtlicher Inhalt sichtbar wird – ganz schön peinlich bisweilen. In manchen Staaten der USA ist es gar untersagt, einen Reisekoffer abzuschließen.

Dann geht’s weiter zum Frachtraum des Flugzeugs. Starke Männer schnappen den Reisekoffer und wuchten ihn vom Fließband auf einen Wagen, der direkt zum Flugzeug gefahren wird. Jetzt steht – je nach Ziel eine mehr oder weniger lange, in jedem Fall aber eher ungemütliche und dunkle Reisezeit an. Nach der Landung ist auch für den Reisekoffer das meiste überstanden: Über ein spezielles Fließband wird er nun an seinen Besitzer zurückgegeben. Umso besser, wenn dieser ihm vorher eine persönliche optische Note verpasst hat.


Denn sonst kann es mit der gegenseitigen Erkennung schon mal Schwierigkeiten geben. Wenn nicht, hilft nur noch der Anhänger, über den der Reisekoffer durch den Besitzer eindeutig identifiziert werden kann. Haben sich Reisekoffer und Besitzer schließlich wieder gefunden, so kann die Erkundung einer neuen Umgebung beginnen – für den Reisenden, und für seinen Reisekoffer.

Marcus Kampers

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