Karl Valentin
„Ein Gespenst, das doch ein Münchner war. Er ist ein Phänomen und spottet der Analyse.“, urteilte der österreichische Journalist Alfred Polgar über den Kabarettist, Autor und Filmemacher Karl Valentin. Berühmt wurde der 1882 in München (wo sonst?) geborene Valentin durch seinen dadaistischen Sprachwitz: „Mögen hätt’ ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut.“
Seine Karriere verlief unglücklich, am Ende starb er, verschmäht von Publikum und Heimatstadt, einen einsamen Tod im München der Nachkriegszeit. Dabei hatten Zeitgenossen wie Thomas Mann, Kurt Tucholsky und Hermann Hesse das Genie des Komikers, der als einer der ersten überhaupt im Dialekt witzelte, gewürdigt. „Derbste Volkstümlichkeit verband er mit merkwürdig geisternder Phantasie“, befand Heinrich Mann, Tucholsky schrieb ihm anlässlich eines Berlinbesuchs gleich ein Gedicht.
Sein Humor setzte sich aus dadaistischen und expressionistischen Versatzstücken zusammen, aber da war viel mehr: Seine hagere, mitleiderregende Gestalt, slapstickartige Einlagen – noch vor Chaplin begann er mit Filmen. Zusammen mit seiner Partnerin Liesl Karlstadt war Valentin der gefeierte Komiker der Weimarer Republik; zu einem Besuch der Münchner zählte unbedingt auch ein Abend im Kabarett. Sogar Hitler konstatierte bei einem Treffen, er habe schon „viel von Ihnen gehört“, woraufhin Valentin lakonisch konterte: „Ich auch von Ihnen.“
Das bayerische Original blieb in Zeiten der Naziherrschaft merkwürdig unbehelligt, obwohl er sich mitunter dreiste Witze über den „Führer“ erlaubte. München zu verlassen, wäre ohnehin nicht infrage gekommen. Aber mit dem Ende der Weimarer Republik versank allmählich auch der Stern des Münchner Kabarettisten: Sein „Panoptikum“, eine Kuriositätensammlung von Gruseligem und Skurrilem („ein Glas Berliner Luft“), fand kein Publikum und ruinierte ihn finanziell. Den Krieg überlebte er in und um München unter größter Bedrängnis; nach 1945 wollte das Publikum ihn nicht mehr.
Ein Antrag, demzufolge die Stadt München ihm eine kleine Rente zahlen sollte, wurde abgelehnt mit Verweis auf seine politische Untätigkeit während der Nazizeit. Und als er 1948 starb, war er fast vergessen. Erst in den Sechzigern wurde Valentin rehabilitiert als einer der großen Komiker des 20. Jahrhunderts; inzwischen befassen sich unzählige Bücher, Filme und Websites mit dem Erbe des tragikomischen Münchners.
Christophe Nicolas
Wenn Sie diesen Artikel verlinken möchten, bitte folgenden Code dafür verwenden:
- Die neuen Verse voller Liebe – Gedichte zum Muttertag – (14,814 mal gelesen)
- Goldene Hochzeit – Tipps und Ideen für perfekte Feier – (13,143 mal gelesen)
- Geschenkidee zum 50. Geburtstag – (11,931 mal gelesen)
- Der richtige Spruch für die Hochzeitsfeier – (10,649 mal gelesen)
- Konfirmationsfeier und Geschenke zur Konfirmation – (10,453 mal gelesen)




