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Ist das Ergebnis des Mainzer Feldtests wirklich das Aus für die Fotofahndung?

In der Zeit vom 09.Oktober 2006 bis zum 31.Januar 2007 waren tagtäglich rund 23.000 Reisende im Ausgangsbereich des Mainzer Hauptbahnhofs gefilmt und mit Lichtbildern in einer speziell für dieses Projekt angelegten Fahndungsdatei von 200 freiwilligen Versuchspersonen abgeglichen worden.


Ziel war es zu untersuchen, ob Personen automatisch und vor allem zuverlässig mit den auf dem Markt derzeit angebotenen Gesichts-Erkennungssytemen in einer Menschenmenge erkannt und wieder identifiziert werden können.

Jede Versuchsperson hatte einen Transponder erhalten , der eine individuelle ID enthielt. Dieser Transponder sollte täglich bei frequentieren des Mainzer Hauptbahnhof am „Mann“
getragen werden. Ein Lesegerät erfasste dann die Daten im Vorübergehen und protokollierte diese.

Hiermit konnte nachvollzogen werden, wann ein Teilnehmer im Erfassungsbereich der Gesichts-Erkennungssysteme war und erkannt hätte werden müssen.

Erfolg oder Misserfolg?
Zweifeler gab es viele. 2003 wurde vom BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) eine Studie erstellt , in der bei Gesichtserkennungen unter Laborbedingungen verheerende Resultate erbracht wurden.

Die Erfahrungen aus England, wo im Londoner Stadtteil Newham knapp ein Dutzend Überwachungskameras biometrisch umgerüstet wurden, um die Straßen und Plätze nach Polizei bekannten Kriminellen abzusuchen , hatten nicht den überzeugenden Erfolg erbracht . Dieses System hat in rund zehn Jahren(!) zu keiner einzigen Verhaftung geführt!

Grund für den schon so zu sagen vorprogrammierten Misserfolg des Londoner Systems war, das Straftäter, Hooligans, islamische Terroristen oder zum Beispiel „verwirrte Personen“, ein standardisiertes hochwertiges Referenzfoto zuvor natürlich nicht hatten anfertigen und der Behörde übergeben lassen.

Ein solches „standardisiertes Referenzfoto“ aber ist eine notwendige Bedingung für jede spätere Wiedererkennung. Und das ist auch das Problem: Gesichtserkennung im Bereich Zutrittskontrolle leistet sehr wohl das, was sie soll – zuverlässige Identifikation der Ein – oder Zutritt fordernden Person, die dann ja wohl auch geduldig den gewissen Moment vor der Kamera verweilt. Jedoch ist für den Masseneinsatz die Quote der Fehlermeldungen noch wesentlich zu hoch, so die Meinung des BKA (Bundeskriminalamt).

Und weiter stellt das BKA fest:
Weder ist jemand geduldig noch von der Beobachtung begeistert und Zutritt wird schon gar nicht verlangt . Die Treffergenauigkeit in Mainz war eindeutig zu niedrig! Die Zahl der richtigen Erkennungen schwankt im Laufe des Tages stark und hängt auch von der Art der Treppe ab. Zum Beispiel hat der Versuch gezeigt, dass Rolltreppen ruhige Bilder, mit zu meist nach oben gerichteten Häuptern, während normale Treppen unruhig ruckelnde Bilder mit nach unten gerichteten Köpfen fertigen.

Bei einer angenommen Falschakzeptanzrate (FAR) von 0,1 Prozent wären somit pro Tag
ca. dreiundzwanzig Personen verwechselt worden.

Die Schlussfolgerung daraus:
Die letzte Entscheidung, ob Personengleichheit besteht, muss von einem Menschen (Beamten / Sicherheitsdienstleister) getroffen werden, der die angezeigte Erkennung bereits am Bildschirm beurteilt.

Im Mainzer Test erreichten bei einer FAR von 0,1 Prozent alle drei Systeme zwischen 09:30 Uhr und 15:30 Uhr etwa sechzig bis siebzig Prozent Treffer bei den Rolltreppen. Die Trefferquote sank vor 08:00 Uhr und nach 17:00 Uhr auf nur noch ca. zwanzig Prozent. Normale Treppen lieferten noch viel weniger überzeugendere Zahlen. Nur kurzzeitig wurden Höchstwerte von über sechzig Prozent erreicht. Der Rückgang bei nachlassendem bzw. schwindendem Licht lag dann sogar noch deutlich unter zwanzig Prozent!

Nach Einschätzung von Experten der Elektrotechnik und Elektronikindustrie, ist das System aber bedingt für ganz bestimmte Aufgaben und nur für solche Einsatz tauglich. Das komplexe System muß den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort aber individuell angepasst und eingerichtet werden, um akzeptable Ergebnisse erbringen zu können. So waren in Mainz zum Beispiel keine baulichen Veränderungen vorgenommen worden. Auch für optimale Lichtverhältnisse wurde nicht gesorgt. Und Treppen waren als Beobachtungsstandort (Observation) wohl denkbar schlecht gewählt.

Fakt ist aber schon jetzt:
Statistisch gesehen sind die in Mainz eingesetzten Systeme schon jetzt besser als der BKA – Beamte oder Detektiv, der sich Passanten anschaut.

Ein Mensch kann sich nun mal nur maximal zwanzig Personen merken, während das Gerät keine Grenzen hat und deutlich bessere Wiedererkennungswerte bringt, auch wenn es nur die hier erbrachten sechzig bis siebzig Prozent sind. Hinzu kommt, dass das System, im Gegensatz zum menschlichen Mitarbeiter, völlig ermüdungsfrei 24 Stunden arbeitet.

Es gibt in der Branche zwei Lager. Während Dr. Thomas Zielke, von der teilnehmenden CROSS MATCH TECHNOLOGIES GmbH, jeden Wert, der besser ist als das menschliche Leistungsvermögen, begrüßt, geben sich andere dem Skeptizismus hin.

Hartmuth von Maltzahn etwa, Geschäftsführer der ebenfalls teilnehmenden Firma L1 sagt: „Eine flächendeckende Gesichtserkennung ist nicht realistisch, heute nicht und auch nicht in 50 Jahren!“. Er begründet dies damit, dass eben sehr sehr gute Bilder der Überwachungskameras erforderlich seien. Bei zu großer Entfernung, bei schlechten Lichtverhältnissen und vor allem, wenn die Menschen nicht in die Kamera schauen, dann gibt es auch keine brauchbaren Fotos, die dann mit einer Fahndungsdatei verglichen werden könnten!

Andere Experten der Szene wiederum, rechnen erst frühestens etwa in fünf bis sieben Jahren mit einsatzfähiger Technik.

Einen Punkt zumindest konnte die Studie nicht berücksichtigen: Welche Zeit Interventionskräfte (Beamte oder Privatdetektive) benötigen, um eine identifizierte Person auch dingfest zu machen. Innerhalb einer Minute legt der „Normal-Mensch“ ca. achtzig Meter zurück, nicht wenig im dichten Gewühl, zum Beispiel eines Bahnhofs!


Für eine kompetente Sicherheitsberatung stehen Ihnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Detektei |d i r e k t e i| DIE DIREKT DETEKTEI rund um die Uhr zur Verfügung.

Sandra Schlicht

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