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Das Geheimnis vom Handeln und der Entsagung

Schon seit Anbeginn der Zeiten beschäftigt den Menschen die Frage nach dem rechten Handeln. Aber was bedeutet überhaupt der Begriff der Handlung? Heißt es alleinig, äußere Tätigkeiten zu vollbringen oder ist bereits das Denken ein Handlungsvorgang?


Schon die Beantwortung dieser grundlegenden Frage ist nicht ganz einfach. Schwieriger wird es noch bei der Definition von Entsagung, welche in vielen religiösen und spirituellen Gemeinschaften eine große Rolle spielt. Wem oder was sollte entsagt werden – kann überhaupt irgendeiner Sache entsagt werden? Antworten auf diese äußerst wichtigen Fragen finden sich in einem der bedeutendsten Werke der Literatur – der Bhagavadgita, dem Lied des Erhabenen.

Der Begriff der Handlung
Die Bhagavadgita, oder kurz einfach Gita genannt, bezieht eindeutig Stellung zum komplexen Begriff der Handlung. Dabei nimmt sie eine integrale und umfassende Sichtweise ein. Handlung wird hier als etwas angesehen, was den ganzen Menschen beinhaltet, sein äußeres Tun, genauso wie seine Gedanken und Emotionen. Handeln bedeutet laut der Gita also weit mehr, als eine körperliche Arbeit zu verrichten. Jeder mentale Vorgang, jedes Gefühl ist eine Handlung.

Kann dem Handeln entsagt werden?
Dies ist die Gretchen-Frage. Dazu der spirituelle Meister und Yogi Sri Chimmoy: „Aus Handlung entspringt Handlung. Handlung als solche kann niemals dem Handeln ein Ende setzen. Handlung ist endlos. Handlung ist ewig. Ganz gleich wie hart wir arbeiten, wie lange wir arbeiten.“ Aber wie kann der Mensch dann jemals der bindenden Wirkung seines Tuns entliehen, in der indischen Philosophie auch Karma genannt? Dazu noch einmal Sri Chinmoy: „Jener ist ein wahrer Karmayogi (ein Mensch, der den Yoga des Handelns, den Yoga der Tat „karma“ ausübt), der für den Höchsten und für den Höchsten alleine arbeitet. Der Karmayogi ist zu gleicher Zeit wahrhaft der größte Entsager, denn er erstrebt nichts und weist nichts zurück.“


Folgt man dieser Logik, dann ist das Schlüsselwort die Absicht des Menschen. Bindung, und damit verbundenes Leid, kann nur entstehen, wenn der Einzelne ein egoistisches Motiv hat. Die einfachste Methode ist deshalb das Widmen der Handlung an eine höhere Kraft, an Gott. Dem Handeln selbst kann der Mensch nicht entsagen, sehr wohl aber seinen begrenzten Motiven, so edel und rein sie anfänglich auch erscheinen mögen. Dieser Weihung des Handelns an etwas Göttliches wird im spirituellen Sprachgebrauch auch selbstloses Handeln oder selbstloses Dienen genannt. Der Mensch handelt, entsagt aber den bindenden Früchten der Handlung. Er stürzt sich, wie es die Gita formuliert, unablässig in Tätigkeiten, sein Geist aber ist vollkommen auf das Höchste ausgerichtet. Auf diese Weise wird Gott erfüllt und der Mensch befreit.

Kai Keller

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